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Samstag, 18.09.2021 / 18:00 Uhr
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Froben Christoph von Zimmern

Portraitzeichnung von Froben von Zimmern Der wichtigste Spross aus dem Geschlecht der Grafen von Zimmern war nicht nur der Erbauer des Meßkircher Renaissanceschlosses, sondern vor allem der Verfasser der berühmten "Zimmerschen Chronik". Diese mit Schwänken, Sagen und Exkursen zur Zeitgeschichte angereicherte Hauschronik gilt als eines der wertvollsten süddeutschen Geschichtswerke und zugleich als ein bedeutendes literarisches Erzählwerk.

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Das fragt sich wohl so mancher. Auch Graf Froben von Zimmern, der über seine Familie so gut wie gar nichts wusste, als er 23jährig nach Meßkirch kam. Die folgenden Jahrzehnte widmete er deshalb der Erforschung der eigenen Geschichte: es entstand die fast 1600 Seiten starke Zimmerische Chronik. Nicht nur Erfreuliches kam dabei zum Vorschein, sondern Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen. Und wo er schon mal dabei war, schrieb Froben so ziemlich alles auf, was ihm kurios, lustig oder irgendwie interessant erschien. Einfach um zu zeigen, wie es so zugeht auf der Welt. Man darf dabei nicht alles wörtlich nehmen, denn die Zimmerische Chronik ist nicht nur ein bedeutendes Geschichtswerk, sondern mehr noch ein schwergewichtiges Stück Literatur.
 
Dass zum Beispiel der Teufel dem Doktor Faust im „Löwen“ zu Staufen im Breisgau das Genick gebrochen habe, oder die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln, all das und noch viel mehr erfahren wir vom Grafen Froben. Und natürlich ist da noch die nette Erzählung vom Petter Letzkopf, der selten Schuhe trug und es trotzdem bis nach Rom und Santiago de Compostela geschafft haben soll...
  • 1519 geboren auf Schloss Mespelbrunn im Spessart,
  • 1531 Beginn der Studienjahre in Tübingen, Straßburg, Bourges, Löwen, Paris, Angers, Tours, Speyer
  • 1542 Umzug nach Meßkirch zu seinem Onkel Gottfried Werner von Zimmern,
  • 1554 Erbe und Nachfolger des Onkels als Herr zu Meßkirch,
  • 1557 Grundsteinlegung für das Meßkircher Renaissanceschloss,
  • 1559 Beginn der Niederschrift der Zimmerischen Chronik,
  • 1566 gestorben vermutlich in Meßkirch, beigesetzt in der Herrschaftsgruft unter der Stadtkirche St. Martin
Die Zimmerische Chronik, von Graf Froben Christoph von Zimmern verfasst, ist zunächst die Geschichte seiner Familie. Verwandtschaftsverhältnisse, die Herkunft der Familie, ihr Umgang mit Besitz werden beschrieben.

Auszug aus der Zimmerischen Chronik
 
Die Personen werden aber nicht nur genannt. Ungewöhnlich ist, dass wir sie als Person kennenlernen. Keine Frau wird in der Zimmerischen Chronik häufiger erwähnt als Margarethe von Oettingen (1458-1528):
Über ihren Mann wird 1488 die Reichsacht verhängt. Mutig tritt sie uns in der Chronik als Frau gegenüber, die um die Zukunft ihrer Kinder kämpft, zeitweise alle Geschäfte führt. Belagert, schmuggelt sie keck ihre beiden Söhne in Frauenkleidern aus der Stadt und weigert sich beharrlich selbst zu gehen. Unbeirrbar steht sie mit ihrer Familie die schwere Zeit der Acht, gekennzeichnet von Geldsorgen und Heimatlosigkeit, durch, bis es schließlich gelingt Meßkirch zurückzugewinnen. Froben Christoph lobt sie als „sehr umsichtig und standhaft“.
 
Erzählungen und Schwänke finden sich in der Zimmerischen Chronik, oft auch recht derbe. Sie dienen wiederum häufig der Charakterisierung von Personen. Wird von Familienmitgliedern erzählt, so wird damit auch oft ein Rat erteilt, wie man sich zukünftig verhalten soll. Ein Vorbild für gute Nachbarschaft ist Brigitta von Zimmern, die Ehefrau von Werner dem Älteren von Zimmern (1289-1384):
Den Pfullendorfern droht ein Überfall, von dem Werner von Zimmern weiß. Sie sind gute Nachbarn, die ihm „jederzeit viel Dienste, Liebes und Gutes erwiesen haben“. Trotzdem darf er sie nicht warnen, von dem Überfall hat er unter dem Siegel der Verschwiegenheit erfahren. Er hadert mit der Situation, redet dabei laut vor sich hin. So erfährt seine Frau von der Sache. Sie schreibt alles auf, lässt den Brief in ein Brot backen und dem Bürgermeister von Pfullendorf persönlich überbringen. Gewarnt, ist die Stadt gut vorbereitet und der Angriff muss abgebrochen werden. Nach „der guten Nachbarin“ ist noch heute in Pfullendorf eine Straße benannt.
 
Auch Fabeln, Sagen und Gespenstergeschichten reichern die Zimmerische Chronik an. So findet sich auch in ihr der bekannte Sagenstoff des Rattenfängers, in diesem Fall, von Meßkirch:
1538: Die Rattenplage in Meßkirch nimmt überhand, alle Versuche, ihr Einhalt zu gebieten, scheitern. Ein Fremder aus Bräunlingen taucht auf und verspricht, gegen eine angemessene Bezahlung, das Problem zu lösen. In der Weihnachtsnacht geht er durch die Stadt, am Marktbrücklein (Marktplatz) verbannt er Schlag Mitternacht alle Ratten aus der Stadt. Und es klappt: „Mag er getan haben, was er wolle, so sind die Ratzen in der nächsten Woche tatsächlich dermaßen verschwunden und hinweggekommen, dass man von selbiger Zeit an keine einzige Ratz mehr in der Stadt gesehen hat…“ (Zitiert nach Haug, Gunter: Von Rittern, Bauen und Gespenstern, Meßkirch: Gmeiner1996, S. 101).
 
 
Übrigens: 
Für einen Einstieg in die Zimmerische Chronik eignen sich gut:
Gunter Haug: Von Rittern, Bauern und Gespenstern – Geschichten aus der Chronik der Grafen von Zimmern
Gunter Haug: Die Welt ist die Welt – Noch mehr Geschichten aus der Chronik der Grafen von Zimmern
Beide Bücher sind im Meßkircher Gmeinerverlag erschienen.
Mit dem Petter Letzkopf hat die Meßkircher Fasnet eine Ihrer Symbolfiguren den Erzählungen von Froben Christoph von Zimmern in seiner „Zimmerschen Chronik“ zu verdanken.

Graf Johann Werner von Zimmern hielt sich um 1530 einen Hofnarren mit Namen Wolf Scherer. Da dieser aber ein wunderlicher, verkehrter Mensch war, wurde er nicht Wolf, sondern Petter Letzkopf genannt. Seine Schuhe trug er stets am Gürtel, nie an den Füßen. Wo man ihn am liebsten hatte, da hielt er es nicht aus, wenn er aber an einem Ort unwert war, brachte niemand den Narren aus dem Haus. Als er einmal bei Hofe über Gebühr geärgert wurde, rächte er sich, indem er alle Türschlösser mit "Hölzlein" vollsteckte und sie so unbrauchbar machte.

Herr Johann Werner war darüber so erbost, dass Petter Letzkopf die Herrschaft unter Eid verlassen musste und er ihn außerhalb des Landes bringen ließ. Dieser aber lief schnurstracks nach Meßkirch zurück. Als Johann Werner ihn jedoch an seinen Schwur erinnerte erwiderte der Letzkopf treuherzig: "Als ich am Grenzstein von Möskirch in alle Welt ringsum gesehen, hat mir kein Ort besser gefallen denn Möskirch, also lasse ich mich auch nicht von dannen weisen". Johann Werner musste herzlich lachen, redete gütlich mit dem Narren und ließ ihn in Meßkirch bleiben.

Jedes Jahr, meist am Samstag nach Dreikönig, wird mit der Befreiung des Petter Letzkopf aus dem Schloss die Meßkircher Straßenfasnet eröffnet.
  • Schloss Meßkirch, erbaut von Froben Christoph von Zimmern

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