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Samstag, 18.09.2021 / 18:52 Uhr

Martin Heidegger

Portrait Martin Heidegger Meßkirchs größter Sohn gilt als der bedeutendste Philosoph des 20. Jahrhunderts. Sein Hauptwerk "Sein und Zeit" hatte ihn 1927 weltberühmt gemacht. Die Philosophie des Freiburger Universitätsprofessors hat das abendländische Denken revolutioniert und erweist sich auch im 21. Jahrhundert als Herausforderung. Im Schloss Meßkirch gibt es ein Museum über Martin Heidegger, regelmäßige Veranstaltungen beleuchten das Denken des Philosophen.

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Gute Frage! „Das Nichts ist das Nicht des Seienden und so das vom Seienden her erfahrene Sein“, meint Martin Heidegger. Der Philosoph konstatierte eine jahrtausendealte Seinsvergessenheit im abendländischen Denken und versuchte, durch eine Rückkehr zu den philosophischen Ursprüngen bei den Vorsokratikern das Denken auf neue und zugleich ursprüngliche Grundlagen zu stellen. In der Erkenntnis der Fülle des Nichts berührte sich Heideggers Denken zugleich mit der altasiatischen Denktradition. Währenddessen schwärmte man in Fernost für deutsche Philosophen, allerdings weniger für Heidegger, sondern mehr für Marx und Engels.  
 
Martin Heideggers Bruder, der Meßkircher Bankangestellte Fritz Heidegger, brachte die Problematik süffisant auf den Punkt: „Mao-Tse ist das Gestell von Lao-Tse!“

Um dem Heideggerschen Denken folgen und dessen Gehalt erfahren zu können, bedarf es der Bereitschaft, sich auf die Eigenart dieses Denkens einzulassen. Sein Denken ist indes umstritten. Die einen schätzen ihn als den wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts mit weltweitem Einfluss auf Künstler, Literaten, Theologen, Psychiater und nicht zuletzt Philosophen. Andere sehen ihn auch aufgrund seines nationalsozialistischen Engagements sehr kritisch.
1889 geboren in Meßkirch
1903 Gymnasium in Konstanz
1909 Abitur in Freiburg, Studium der Theologie und Philosophie in Freiburg
1913 Promotion im Fach Philosophie
1915 Habilitation
1919 Assistent von Edmund Husserl, Privatdozent in Freiburg
1922 Bau der Hütte in Todtnauberg
1923 Professor in Marburg
1927 erscheint sein Hauptwerk „Sein und Zeit“
1928 Nachfolger Husserls auf dem Lehrstuhl für Philosophie in Freiburg
1933/34 Rektor der Universität Freiburg
1946 Lehrverbot
1949 erscheint die Schrift „Der Feldweg“, eine Hommage an seine Heimatstadt
1951 Emeritierung
1955 Vortrag „Gelassenheit“ in Meßkirch
1959 Ehrenbürger von Meßkirch
1976 gestorben in Freiburg, beerdigt auf dem Friedhof in Meßkirch
Das Martin-Heidegger-Museum erstreckt sich über drei Räume im Erdgeschoss des Ostflügels. Thematisch deckt die Schau vier Bereiche ab: Neben einer Lebenschronik werden die wichtigen Stationen der philosophischen Entwicklung Heideggers vorgestellt. Kleinere Abteilungen der Ausstellung befassen sich mit den Themen „Heidegger als Sohn Meßkirchs“ und „Heidegger und die Kunst“. Zu sehen ist weiterhin der bekannte Sternwürfel vom Brunnen bei der Hütte des Philosophen in Todtnauberg. Auch Werke von mit Heidegger verbundenen Künstlern wie Eduardo Chillida, Georges Braques oder Otto Dix werden ausgestellt. Nicht verschwiegen wird Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus.

Weitere Informationen zum Martin-Heidegger-Museum


Schaukästen im Martin-Heidegger Museum

MArtin Heidegger auf dem Feldweg

Martin Heidegger auf dem Feldweg in Richtung Bichtlingen, dem er 1949 das Werk "Der Feldweg" widmet.

Er läuft aus dem Hofgartentor zum Ehnried. Die alten Linden des Schloßgartens schauen ihm über die Mauer nach, mag er um die Osterzeit hell zwischen den aufgehenden Saaten und erwachenden Wiesen leuchten oder um Weihnachten unter Schneewehen hinter dem nächsten Hügel verschwinden. Vom Feldkreuz her biegt er auf den Wald zu. An dessen Saum vorbei grüßt er eine hohe Eiche, unter der eine roh gezimmerte Bank steht.      
Darauf lag bisweilen die eine oder die andere Schrift der großen Denker, die eine junge Unbeholfenheit zu entziffern versuchte. Wenn die Rätsel einander drängten und kein Ausweg sich bot, half der Feldweg. Denn er geleitet den Fuß auf wendigem Pfad still durch die Weite des kargen Landes.

Auszug aus "Der Feldweg" von Martin Heidegger

Zum Video: Martin Heidegger liest aus "Der Feldweg"


Alte Ansicht des Feldwegs
Im November 1944 unterschreibt Heidegger einen Mietvertrag für einen der Hofgartentürme des Schloss Meßkirch, mit der Absicht, dort eine Studierstube einzurichten. Während des Luftangriffs am 22.02.1945 waren Martin Heidegger und sein Schulkamerad, der Zimmermann Konrad Reinauer gerade im Turm um die Schreinerarbeiten zu besprechen, als Bomben fielen. Nachdem sie sich zunächst zu Boden geworfen hatten, eilten sie in die Stadt, Reinauer zu seinem Haus, Heidegger zur Volksbank, wo er seine Manuskripte im Tresor gelagert hatte.
Der Umbau zur Studierstube wurde danach nicht mehr realisiert. Was auch daran liegen könnte, dass die Nachbarschaft des Turms zur neu gegründeten Frauenfachschule der Ursulinen im Schloss nicht immer konfliktfrei war, was Dokumente nahelegen, die aus der Zeit nach dem Krieg stammen. Den Schwestern wird ein „preußischer Kasernenhofton“ unterstellt, was sie über die Heideggers dachten, ist leider nicht überliefert.

Auch wenn Heidegger nach dem Bombenanschlag seinen Plan aufgab, so ist der Name "Philosophenturm" jedoch bis heute geblieben.

Martin Heidegger vor dem sogenannten Philosophenturm
  • Das Mesnerhaus, in dem Heidegger aufgewachsen ist, befindet sich gegenüber der Kirche St. Martin.
  • Im Hofgarten beginnt die Straße "Am Feldweg", die ihren Namen Heideggers Schrift zu verdanken hat. Etwas außerhalb der Stadt am Waldrand befindet sich eine roh gezimmerte Bank, wie sie Heidegger in seinem Werk beschreibt.
  • Auf dem Meßkircher Friedhof kann Heideggers Grab besucht werden.
  • In der Buchhandlung Schönebeck in der Conradin-Kreutzer-Straße ist ein umfangreiches Sortiment an Werken von und über Martin Heidegger erhältlich.

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  • Stadt Meßkirch
  • Conradin-Kreutzer-Straße 1
  • 88605 Meßkirch
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