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Samstag, 18.09.2021 / 18:46 Uhr
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Froben Ferdinand zu Fürstenberg

Portrait Froben Ferdinand zu Fürstenberg

Zuerst Graf, dann Fürst, einen Abschluss in Jura „summa cum laude“, Reichskammerrichter, kaiserlicher Prinzipalkommissär, also Stellvertreter des Kaisers am Reichstag von Regensburg - das und noch einiges mehr war Froben Ferdinand zu Fürstenberg. Große Schlösser, reich ausgestattete Kirchen und üppige Parks prägten die Barockzeit und so war seine Regierungszeit für Meßkirch eine Zeit der kulturellen Blüte.

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War Froben Ferdinand von Fürstenberg ein Angeber?

Der Eindruck könnte schon entstehen. In Positionen, die wir mit „Präsident des Bundesverfassungsgerichtes“ und „Bundesratspräsident“ vergleichen können, wird er vom Kaiser in den Orden vom goldenen Vlies aufgenommen und die dazugehörige Kette schmückt daraufhin öffentlichkeitswirksam seine Portraits. Für einen frisch gebackenen Fürsten tut es so ein altmodisches Renaissanceschloss, wie das in Meßkirch nicht mehr: Repräsentative Treppenhäuser müssen her statt der altmodischen Wendeltreppen, die Innenausstattung wird modernisiert. Ein neuer Reitstall wird gebaut. Und natürlich braucht man einen Park nach neuestem französischem Vorbild. Dafür holt er sich nicht irgendeinen: Der Deutschordensbaumeister Giovanni Gaspare Bagnato (1696—1757) nimmt die Sache in die Hand. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Für eine Kapelle für die Reliquien des heiligen Nepomuk beauftragt er die berühmten Brüder Asam. So etwas hat schließlich nicht jeder!


Wie die Mutter, so der Sohn!


Die Mutter von Froben Ferdinand war Maria Theresia zu Fürstenberg-Meßkirch (1639-1705). Sie gilt als einflussreichste Frau aus den Meßkircher Adelshäusern und war wesentlich am Wiederaufbau der Region nach dem 30-jährigen Kries beteiligt.
  • 1664 Froben Ferdinand wird in Meßkirch geboren
  • Froben Ferdinand studiert Philosophie und Rechtswissenschaft
  • 1685 Sein Bruder Friedrich Christoph fällt im Türkenkrieg, er wird Graf und erhält sein erstes überregionales Amt: Kammerherr des Kaisers Leopold und Gesandter beim schwäbischen und fränkischen Kreis
  • 1688 - 1720 Froben Ferdinand erhält vielfältige Aufgaben und Ehrungen, unter anderem Ernennung zum Reichshofrat, Kaiserlicher geheimer Rat, Wirklicher geheimer Rat, Kaiserlicher Kommissär, Direktor des schwäbischen Grafen- und Herrenkollegiums
  • 1690 Froben heiratet die Gräfin Maria Theresia Felicitas von Sulz (1671-1743), mit der er zwei Kinder hat.
  • 1721 Verleihung des Ordens vom goldenen Vlies (höchste Auszeichnung, die das Haus Habsburg zu vergeben hat)
  • 1725 Kaiserlicher Prinzipalkommissär (Stellvertreter des Kaisers am Reichstag von Regensburg) und Fürst, Umzug nach Regensburg
  • 1735 Rückkehr nach Meßkirch
  • 1741 Froben stirbt in Meßkirch
 
(Quelle: Armin Heim (1990): Die Stadt der Fürstenberger, Meßkirch: Gmeinerverlag)

Die Regierungszeit Froben Ferdinands von Fürstenberg war für Meßkirch eine Zeit einer kulturellen Blüte, Beispiele sind:
  • Bau der Wallfahrtskirche in Engelswies (1721/22)
  • Bau und Ausstattung der Nepomuk-Kapelle (Fertigstellung 1739)
  • Renovierung des Renaissanceschlosses, Barockisierung der heute nicht mehr vorhandenen Schlosskapelle, Anlegen des Parks „Hofgarten“ (Fertigstellung 1740)
 
Unter Froben Ferdinand hat die Herrschaft Meßkirch ihre größte Ausdehnung.

Unter Froben Ferdinand war Meßkirch eine beeindruckende Residenz mit glanzvoller Hofhaltung. Schließlich war er ein Fürst!
Legt man die Zahlen von 1718/19 zugrunde, so sind unter anderem folgende Ausgaben zu finden:
  • Zum  Vergleich: Der Jahresverdienst eines Lakais, Kutschers oder Reitknechts (“Normalbürger“) betrug 30 Gulden.
  • 232 Gulden für Tafelkerzen
  • 505 Gulden für Zeitungen
  • 2575 Gulden für Wein
  • 102 Gulden für Bodenseefische
  • 243 Gulden für 18 Fässer Salz
  • 87 Gulden für Wild
  • 796 Gulden für 2390 Pfund Butter, 301 Pfund „Weyler Käs“ und 1266 Pfund Schafskäse
  • Gekauft wurde außerdem Fleisch von 192 Kälbern, 14 Kühen, 5 Mastrindern, acht Stieren, sieben Schweinen, 125 Schafen und Hammel
Auch beim Personal wurde nicht gespart. Insgesamt beschäftigte Froben Ferdinand in und um Schloss Meßkirch 81 besoldete Bedienstete, darunter:
  • Zwei Kammerdiner
  • zwei Köche
  • Kuchelschreiber (Haushaltsleitung)
  • zwei Tafeldecker
  • elf Lakaien
  • ein Läufer (trägt das Schwert)
  • vier Heiducken (Diener in der entsprechender ungarischer Uniform
  • ein Sattelknecht
  • fünf Reitknechte
  • drei Kutscher
  • drei Vorreiter (reiten „vor der Kutsche“)
  • zwei Maultierknechte
  • ein Hofmetzger
  • ein Hofbäcker
  • ein „Zuckher Böckh“ (Zuckerbäcker)
  • ein Hofküfer
  • ein Hofjäger
  • ein Ofenheizer
  • ein Torhüter
  • eine Hofhüterin
  • eine Kaminfegerin
  • Mitarbeiter für Regierung und Zentralverwaltung
1729 erhielt Froben Ferdinand zu Fürstenberg vom Erzbischof von Prag Reliquien des tschechischen Märtyrerpriesters und lässt dafür 1732 bis 1739 eine von Johann Caspar Bagnato entworfene Rundkapelle an die Martinskirche anbauen. Für die Ausstattung gewann der Fürst die beiden berühmtesten Künstler seiner Zeit, Cosmas Damian und Egid Quirin Asam aus München.
Der heilige Nepomuk ist heute als "Brückenheiliger" bekannt, Nepomukstatuen zieren viele Brücken. Besonders bekannt ist die Statue auf der Karlsbrücke in Prag wo der heilige Nepomuk in der Moldau ertränkt worden sein soll, weil er dem König nicht verraten wollte, was die Königin ihm gebeichtet hat.

In der Woche des 16. Mai werden jedes Jahr die Reliquien in der Meßkircher Nepomukkapelle aufgedeckt und ausgestellt.
Eine Holztafel in der St. Martinskirche verbirgt die von Froben Ferdinand angeschafften Gebeine des sogenannten "Katakombenheiligen" Heiliger Felix. 
In der Predigt vom 8. Oktober 1709 wird erwähnt, dass Froben Ferdinand von Fürstenberg die Gebeine aus den Katakomben in Rom erwarb, sie kostbar fassen und an diesem Tag in die Kirche bringen und aufstellen ließ. 1578 war der Eingang einer Katakombe in Rom wieder entdeckt worden, die dort bestatteten Toten galten als Märtyrer. Ihre Verehrung war so groß, dass sie in Prozessionen stehend über die Alpen gebracht wurden. Sie finden sich in vielen Kirchen Süddeutschlands.
  • Das Herz-Jesu-Heim wurde ursprünglich von Froben Ferdinand als Reitstall erbaut.
  • Der Hofgarten wurde um 1740 in Froben Ferdinands Auftrag im französischen Stil mit 300 Lindenbäumen angelegt.
  • In der Kirche St. Martin sind die Nepomukkapelle und der Katakombenheilige Felix Froben Ferdinand zuzuschreiben.
  • Das heutige Erscheinungsbild des Meßkircher Schlosses wurde beispielsweise durch die weitläufigen Treppenhäuser von Froben Ferdinand geprägt.

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